Unterwasserlaufband versus Hundeschwimmbad

Heute Morgen kam einer meiner Patientenbesitzer und erzählte mir, dass man ihm in einem Hundefachgeschäft gesagt hätte, schwimmen in einem Becken sei für seinen Hund viel besser als das Training auf dem Unterwasserlaufband.
Warum das so sei, konnte man ihm nicht sagen, es sei einfach so. Das fand ich ehrlich gesagt etwas verwunderlich. Doch auch ich habe mich natürlich im Rahmen meiner beruflichen Qualifikation mit diesem Thema auseinandergesetzt und werde auch öfters auf dieses Thema angesprochen. Da ich ein Freund von konstruktiver Kritik bin, möchte ich den aktuellen Anlass gerne nutzen und meine Gedanken dazu teilen.
Doch zunächst möchte ich generell loswerden, dass die Bewegung im Wasser eine ausgesprochen schonende und für die Gelenke sehr vorteilhafte ist. Ich möchte die Arbeit keiner meiner Kolleginnen schmälern, noch schlecht reden, ich möchte nur erklären, warum und aus welchen speziellen Gründen ich mich für das Unterwasserlaufband und damit gegen ein Hundeschwimmbad entschieden habe
Die Entscheidung ein Unterwasserlaufband anstelle eines Hundeschwimmbades anzuschaffen, fällte ich aufgrund meiner Beobachtungen. Sieht man Hunde schwimmen, so reicht das von Planschereien bis hin zu konzentrierten Bahnen ziehen. Und wenn ein Hund keine Wasserratte ist und man ihn trotzdem ins Wasser schupst, kann es auch in Panik enden.
Der hauptsächliche Antrieb kommt von den Vorderläufen, die auch gewährleisten, dass der Kopf aus dem Wasser ragt. Man kennt das auch von Kindern, die Schwimmen lernen. Ich habe z.B. mit zwei Jahren „schwimmen“ gelernt, indem man mich ins Wasser getan hat und ich automatisch angefangen habe zu paddeln. Die meiste Arbeit wird hier ebenfalls von den Armen geleistet und die Beine schlagen ab und zu mit und helfen auch Balance im Wasser zu halten, bzw. einen Richtungswechsel mit zu unterstützen. Jeder der schwimmen kann weiß das und wenn man einen Schwimmer anschaut, dann springt einem das „breite Kreuz“ als erstes ins Auge. Jetzt kann man natürlich sagen, dass Hunde anatomisch anders als der Mensch gebaut sind, dem ich natürlich nicht widersprechen würde. Beim Schwimmen unterscheiden sie sich jedoch nicht so gravierend.
Ich vergleiche das Training, bzw. die Reha auf dem Unterwasserlaufband am liebsten mit dem Aquajogging des Menschen. Es geht darum Muskulatur schonend aufzubauen, Bewegungseinschränkungen zu minimieren und die Last des Gewichts auf die Gelenke zu verringern. Dennoch stehen die meisten auf dem Boden und bewegen sich mit Bodenkontakt. Die Reize, die vom Boden her kommen sind ähnlich denen, die der Hund auf dem Unterwasserlaufband erfährt. Zudem erfährt der Hund durch die Bewegung des Laufbands unter seinen Pfoten den Reiz sich nach vorne zu bewegen. Die Bewegung wird dadurch ausladender, der gesamte Bewegungsradius der einzelnen Gelenke um ein paar Grad vergrößert. Das führt dazu, dass die Gelenkskapsel so gut bewegt wird und dadurch die Produktion der Gelenkschmiere (Synovia) angekurbelt wird. Jetzt kann man sagen, das passiert auch beim Schwimmen. Stimmt, mit der kleinen feinen Ausnahmen, das beim Laufen im Wasser der Gelenkknorpel ebenfalls eine Be– und Entlastung erfährt. Jetzt stellt sich der ein oder andere zu Recht die Frage, was daran den gut ist. Man könnte ja denken, dass es besser wäre, wenn diese total entlastet wäre. Der Gelenkknorpel wird nur über die Be -und Entlastung ernährt. Das kann man sich in etwa wie bei einem Schwamm vorstellen. Wird er belastet, wird er ‘ausgedrückt´, wird er entlastet saugt er sich mit Gelenksflüssigkeit voll. Dieser Mechanismus ist überlebenswichtig für den Knorpel und der Knorpel ist der Stoßdämpfer des Gelenks. Kommt jetzt noch hinzu, dass das Gelenk arthrotische Veränderungen aufweist, so bedeutet das, dass auch Schmerzabbauprodukte dort vorhanden sind. Diese müssen ebenfalls aus dem Knorpel gepresst werden, damit sie über die Gelenkkapsel aus dem Gelenk transportiert werden können. Somit schließt sich der Kreis wieder und die Ernährung des Gelenks, auch die eines Gelenks mit arthrotischen Veränderungen wird verbessert.
Dies alles findet beim Schwimmen in abgeschwächter Form statt. Ich vergleiche es auch gerne mit Astronauten. Die verlieren aufgrund der Schwerelosigkeit Muskulatur und müssen nach ihrer Rückkehr gezieltes Aufbautraining machen. Im Wasser und beim Schwimmen ist das nicht ganz so gravierend, da der Wasserwiderstand eine Wirkung auf die Gelenkkapsel und den Muskelaufbau hat. Hinzu kommt, dass Hunde die an einer Bewegungseinschränkung leiden oder eine Schonhaltung aufgrund einer Verletzung einnehmen, diese schnellstmöglich wieder ablegen sollten, damit der restliche Körper nicht allzu lange darunter leidet. Die maßgebliche Bewegung im Wasser ist die Beugung (Flexion) der Gelenke, weniger die Streckung (Extension)(bei den meisten Hunden).
Getreu dem Maßstab Gleiches mit Gleichem zu trainieren, ziehe ich in der frühen Phase der Rehabilitation, das Laufen im Wasser dem Schwimmen vor. Die Besitzer halte ich jedoch nie davon ab, bzw. rate ihnen dazu ihre Hunde auch schwimmen zu lassen, wenn sie es denn kontrollieren können, so wie es die Kolleginnen mit Hundeschwimmbädern machen. Und insbesondere meine ich damit die Phase, wenn der Hund aus dem Wasser kommt und sich wild schüttelt, rumrennt und das Wasser aus dem Pelz bekommen will. Denn hierbei kommt es häufig vor, dass Haken geschlagen werden und sonstige Sperenzchen gemacht werden. Und sei es nur, dass der Ausstieg rutschig ist. All das muss gut kontrolliert werden.
Das Fazit für mich lautet daher: Gleiches mit Gleichem trainieren.

Für Gangbildkorrekturen und damit einhergehende Blockaden oder Einschränkungen kommt für mich das Unterwasserlaufband an erster Stelle.